Kurzfassung: Seit 1. Mai 2026 gibt es für TYPO3 v12 keine kostenlosen Sicherheits-Updates mehr. Wer bleiben will, zahlt dafür ELTS - laut TYPO3 GmbH 3.200 Euro pro Lizenz und Jahr vor Rabatten. Diese Zahl ist der einzige belastbare Vergleichsmaßstab, gegen den sich sowohl ein Upgrade als auch ein Systemwechsel rechnen lässt. Und sie ist auffällig selten zu lesen: Fast jeder Ratgeber zum Thema „TYPO3 ablösen“ stammt von jemandem, der das Zielsystem verkauft.

Was am 30. April 2026 passiert ist - und was ELTS jetzt kostet

TYPO3 v12 LTS hat am 30. April 2026 das Ende seines kostenlosen Supports erreicht. Seit dem 1. Mai 2026 stellt die TYPO3-Community für diese Version weder Wartung noch Sicherheits-Updates bereit. Das ist keine Ankündigung mehr, sondern seit Monaten der Ist-Zustand - und genau das erklärt, warum das Thema gerade jetzt auf so vielen Geschäftsführer-Schreibtischen liegt.

Der Rhythmus dahinter ist bekannt: Jede LTS-Version bekommt rund eineinhalb Jahre reguläre Wartung und danach rund eineinhalb Jahre Priority Bugfixing inklusive Sicherheits-Updates. Nach etwa drei Jahren ist Schluss. Wer eine TYPO3-Website betreibt, steht damit verlässlich alle paar Jahre vor derselben Frage.

Wichtig ist die Abgrenzung: Eine Instanz auf v13 oder auf dem im April 2026 erschienenen v14 LTS ist regulär versorgt und braucht nichts. Betroffen sind v12 und alles darunter. Was v14 inhaltlich bringt und wie ein Upgrade-Pfad aussieht, steht in unserem Beitrag zu TYPO3 v14 LTS. Hier geht es um die Frage davor: ob TYPO3 überhaupt das richtige System bleibt.

Der Preis des Nichtstuns: ELTS in Zahlen

Nichtstun ist eine Option - sie hat nur einen Preis. Extended Long-Term Support (ELTS) ist das kostenpflichtige Programm der TYPO3 GmbH, das kritische Sicherheits-Updates drei Jahre über das reguläre Supportende hinaus liefert. Ein viertes Jahr ist ausschließlich über offizielle TYPO3-Partner zu bekommen.

ELTS pro Lizenz und JahrTYPO3 v12TYPO3 v10 / v11
Listenpreis (ohne Rabatt)3.200 €2.800 €
mit Silver-Mitgliedschaft (−25 %)2.400 €2.100 €
mit Gold-Mitgliedschaft (−30 %)2.240 €1.960 €
mit Platinum-Mitgliedschaft (−45 %)1.760 €1.540 €

Quelle: TYPO3 GmbH, ELTS-Preisanpassung für v12 mit Wirkung April 2026. Die v12-Preise gelten seit April 2026, v10 und v11 blieben unverändert. Rabattstufen wie von der TYPO3 GmbH veröffentlicht; v10/v11-Werte auf Basis derselben Prozentsätze gerechnet.

Diese Zahl ist der eigentliche Ausgangspunkt jeder Entscheidung. Sie fällt jährlich an, sie kauft ausschließlich Sicherheit - keine neuen Funktionen, keine bessere Redaktionsoberfläche, keine Barrierefreiheit - und sie läuft nach spätestens drei bis vier Jahren aus. Wer ELTS bezahlt, kauft Zeit. Das kann völlig richtig sein, etwa wenn ohnehin ein Relaunch geplant ist und nur das Timing nicht passt. Es ist nur keine Lösung, sondern eine Verlängerung.

Wer Ihnen zum Wechsel rät - und was er verkauft

Wer „Alternative zu TYPO3“ sucht, landet auf einer bemerkenswert einheitlichen Ergebnisseite. Ein Anbieter empfiehlt den Umstieg auf Sanity und SvelteKit - und baut genau damit. Eine ganze Domain positioniert sich als Abschied von TYPO3 und verkauft das Zielsystem gleich mit. Ein weiterer Ratgeber rechnet TYPO3 gegen Pimcore und ist von einer Pimcore-Agentur. Und einer vergleicht mit WordPress und schreibt im selben Text, dass er „bewusst und aus Überzeugung auf WordPress“ setzt.

Das ist kein Vorwurf, sondern schlicht die Marktlage: Der Suchbegriff ist kommerziell wertvoll, also besetzen ihn diejenigen, die vom Wechsel leben. Auffällig ist, welche Zahl in diesen Texten fehlt. Gerechnet wird, wenn überhaupt, gegen Umsetzungsstunden: Der WordPress-Ratgeber stellt für dasselbe Szenario CHF 13’780.– für TYPO3 gegen CHF 4’920.– für WordPress, der ausführlichste nennt einen Break-even nach 18 bis 24 Monaten, ohne offenzulegen, wogegen gerechnet wurde. Was in keinem dieser Texte steht, sind die laufenden Kosten des Bleibens - also die ELTS-Zahl, gegen die sich ein Upgrade wie ein Systemwechsel erst rechnen lässt.

Wir sind der Gegenfall: holzweg betreibt TYPO3-Instanzen für Kunden vom Mittelstand bis zum Konzern. Wir verdienen daran, dass TYPO3 läuft. Genau deshalb ist die folgende Aussage etwas wert: Es gibt Konstellationen, in denen wir TYPO3 nicht mehr empfehlen. Sie haben nur selten mit dem System selbst zu tun.

Vier Fragen, die vor die Systemfrage gehören

1. Woran genau liegt die Unzufriedenheit?

„Das Backend ist zu kompliziert“ ist fast nie eine Aussage über TYPO3, sondern über eine gewachsene Installation: zu viele Content-Elemente, ein unübersichtlicher Seitenbaum, Rechte, die nie aufgeräumt wurden. Das lässt sich innerhalb von TYPO3 beheben - zu einem Bruchteil der Kosten einer Migration. Erst wenn nach dem Aufräumen immer noch Reibung bleibt, ist die Systemfrage die richtige Frage.

2. Was hängt an der Website dran?

Der Aufwand einer Migration steckt nie im Content, sondern in den Verbindungen: ERP-Anbindung, Single Sign-on, Produktdaten, Formularstrecken, Intranet-Funktionen, Mehrsprachigkeit mit Freigabe-Workflow. Eine Website, an der nichts hängt, wechselt leicht das System. Eine, die als Integrationsschicht arbeitet, nimmt jede dieser Schnittstellen ins neue System mit - und genau dort entstehen die Kosten, die in Angeboten gerne unterschätzt werden.

3. Wie viele Instanzen betreiben wir wirklich?

ELTS wird pro Lizenz abgerechnet. Wer eine Website betreibt, entscheidet über einen vierstelligen Betrag pro Jahr. Wer Konzern-, Landes- oder Markenauftritte auf mehreren separaten Instanzen betreibt, entscheidet über ein Vielfaches davon - und für den kippt die Rechnung deutlich früher Richtung Upgrade oder Konsolidierung. Diese Zahl kennt in vielen Organisationen niemand vollständig. Sie ist der erste Punkt, den wir in einem Audit erheben.

4. Was steht in den nächsten drei Jahren ohnehin an?

Ein Systemwechsel ist dann am günstigsten, wenn er mit etwas zusammenfällt, das ohnehin gemacht werden muss: ein Redesign, eine neue Markenidentität, eine größere funktionale Erweiterung. Steht davon nichts an, ist ein Wechsel ein reines Kostenereignis ohne sichtbaren Gegenwert - und ein Upgrade fast immer die nüchternere Entscheidung.

Der Posten, der in Migrationsangeboten gern fehlt

Ein Punkt wird beim Kostenvergleich gern übersehen, ist aber budgetrelevant: das Barrierefreiheitsgesetz. Das BaFG setzt den European Accessibility Act in österreichisches Recht um und gilt seit 28. Juni 2025. In Deutschland gilt mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) dasselbe seit demselben Stichtag - in der Schweiz nicht.

Das Missverständnis, das wir häufig hören, sei gleich ausgeräumt: Ein Wechsel löst diese Pflicht nicht aus. Wer heute betroffen und nicht barrierefrei ist, ist es bereits jetzt - unabhängig vom CMS. Der Unterschied liegt im Budget. Ein Relaunch ist der Moment, in dem Barrierefreiheit ohnehin von Grund auf mitgebaut werden muss: Templates, Farbkontraste, Fokus-Reihenfolge, Formulare, Redaktionsrichtlinien. Ein Migrationsangebot, das dazu keine eigene Position ausweist, ist unvollständig - und die Differenz taucht später als Nachtrag auf.

Wer bei TYPO3 bleibt und dort bereits barrierefrei aufgestellt ist, hat diesen Posten hinter sich. Das ist selten das entscheidende Argument, aber es gehört sauber in die Gegenüberstellung. Was konkret gefordert ist, steht in unserem Beitrag zum Barrierefreiheitsgesetz (BaFG).

Unsere Position

In der großen Mehrheit der Fälle, die wir sehen, ist das Upgrade die richtige Entscheidung - nicht aus Systemtreue, sondern weil die genannten Kostentreiber bei einer Migration alle noch einmal anfallen und obendrein das Risiko dazukommt, Rankings und eingespielte Redaktionsprozesse zu verlieren.

Es gibt die Gegenfälle. Eine Website, an der keine Schnittstelle hängt, die im Wesentlichen aus Seiten, News und einem Formular besteht und von zwei Personen gepflegt wird, trägt den Betriebsaufwand eines Enterprise-CMS nicht. Dort raten wir zu einem leichteren System - welches, hängt vom Team ab. Eine erste Orientierung gibt unser CMS-Vergleich.

Was wir in beiden Fällen empfehlen: die Entscheidung an Zahlen zu treffen, die auf dem Tisch liegen. Versionsstand, Anzahl der Instanzen, Liste der Erweiterungen, Liste der Schnittstellen, Zustand der Barrierefreiheit. Das ist ein halber Tag Arbeit und ersetzt die Bauchentscheidung durch eine Rechnung. Wir machen das auch für Websites, die wir nicht gebaut haben - und sagen Ihnen, wenn Bleiben die bessere Antwort ist.

Mehr darüber, wie wir TYPO3-Projekte betreuen, finden Sie auf unserer TYPO3-Seite.

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Häufig gestellte Fragen

Nur wenn sie auf v12 oder älter läuft und keine ELTS-Lizenz hat. Seit 1. Mai 2026 liefert die TYPO3-Community für v12 keine kostenlosen Sicherheits-Updates mehr. Eine v13- oder v14-Instanz ist regulär versorgt. Welche Version bei Ihnen läuft, steht im Backend unter „System → Configuration“ - oder wir schauen einmal gemeinsam nach.

Für v12 nennt die TYPO3 GmbH seit April 2026 einen Listenpreis von 3.200 Euro pro Lizenz und Jahr vor Rabatten. Für v10 und v11 bleibt es bei 2.800 Euro. Mitgliedschaftsrabatte reduzieren das: Silver 25 Prozent, Gold 30 Prozent, Platinum 45 Prozent. ELTS läuft drei Jahre über das reguläre Supportende hinaus; ein viertes Jahr gibt es nur über offizielle TYPO3-Partner.

Das hängt fast nie am CMS, sondern an Ihren Erweiterungen und Schnittstellen. Eine Instanz mit wenigen Standard-Extensions ist in wenigen Tagen auf v13 oder v14 gehoben. Eine Instanz mit selbst geschriebenen Extensions, ERP-Anbindung und gewachsenem TypoScript kann beim Upgrade teurer werden als ein Neubau - oder auch deutlich billiger. Diese Frage lässt sich nur an Ihrer konkreten Installation beantworten, nicht am Systemnamen.

Meistens nicht. Wenn Redakteure sich schwertun, liegt das häufig an der Redaktionsoberfläche, die über Jahre mitgewachsen ist - an zu vielen Content-Elementen, unklaren Seitenbäumen und fehlenden Schulungen. Das lässt sich innerhalb von TYPO3 aufräumen und kostet einen Bruchteil einer Migration. Wenn danach immer noch Reibung bleibt, ist die Systemfrage berechtigt.

Inhalte lassen sich in aller Regel übernehmen, der Aufwand steckt in der Struktur: Content-Elemente, Mehrsprachigkeit, Medien-Metadaten und Redaktionsrechte bilden sich nicht eins zu eins ab. Entscheidend für die Sichtbarkeit sind die URLs - ohne vollständige Weiterleitungsliste kostet ein Wechsel Rankings. Diese Liste gehört in jedes Migrationsangebot, bevor es unterschrieben wird.

Wenn Ihre Website im Wesentlichen aus Seiten, News und einem Kontaktformular besteht und keine Schnittstellen braucht, ist TYPO3 heute oft schwerer als nötig. Sobald mehrere Sprachen, Redaktionsrollen, Freigabeprozesse oder Systemanbindungen dazukommen, dreht sich das Bild. Wir sagen Ihnen ehrlich, in welchem der beiden Fälle Sie stecken.

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